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Autor Thema: Fehlgeburt und das Umfeld  (Gelesen 13898 mal)

Offline Zwillingsfrau

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Fehlgeburt und das Umfeld
« am: 06.03.2012, 23:53 »
Wie hat euer Umfeld darauf reagiert?

Bei mir wusste noch keiner von der Schwangerschaft, kurz nachdem ich mir sicher war, dass ich schwanger bin, hatte ich auch schon die Fehlgeburt.

Ich hatte es zunächst keinem gesagt, irgendwie wollte ich nicht darüber reden. Als das Bedürfnis dann da war sagte ich es meiner Mutter. Die Reaktion war, naja, interessant.  :skeptisch: Sie ezählte mir, dass sie dachte schwanger zu sein, es dann aber nicht war und damit war das Thema erledigt :skeptisch: irgendwann redeten wir nochmal über das, was passierte, aber meine Gefühle blieben außen vor

Irgendwie fehlt mir der Austausch. Ich hab es dann meinen Freundinnen gesagt und ich konnte mich da auch aussprechen und ausweinen, aber irgendwie hat mir das nicht geholfen. Ich hatte das Gefühl, dass sie es einfach nicht verstehen(logisch). Selbes bei meinem Partner damals. Eine Freundin, die ebenfalls eine Fehlgeburt hatte (und somit weiß, wie ich mich fühle) ist wieder schwanger und das schreckliche Erlebnis ist wie weggeblasen.

Mittlerweile kann ich offen darüber sprechen, aber ich habe niemanden, der mich da wirklich versteht.

Vor kurzem war dann der "jahrestag". und es hat mich einfach völlig aus der Bahn geworfen.
Ich muss jeden Tag an mein kleines Sternchen denken, auch wenn ich es nicht kennenlernen konnte, so gehört es doch zu mir, aber ich habe das Gefühl, dass mir das keiner zugestehen will. Ich habe das Gefühl, dass ich nicht sagen darf, dass ich traurig bin und diese Situation einfach nur hasse.

Ist mein Umfeld überfordert oder sind meine Gefühle nicht normal? Vielleicht geht es mir ja doch zu schlecht, als vielleicht angemessen wäre?!

Offline sancho

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Re: Fehlgeburt und das Umfeld
« Antwort #1 am: 07.03.2012, 07:46 »
Jeder reagiert anderst, jeder verarbeitet anderst.

Mein Mann und ich sind auch unterschiedlich damit zurecht gekommen, ist aber auch so, dass ich drei Narben davon trage und täglich daran erinnert werde und nicht er, er nur wen er mich nackt sieht.  ;) (musste damals zur Notauskratzung)
Es ist mein bester Freund der am MET Geburi hat und nicht seiner.

Der Schmerz vergeht, der Erinnerung wohl nie ganz.

Ich weiss aber auch das er es auf seine Art verarbeitete und das ist oke so, auch wen er weniger reden musste als ich. Heute gehört es einfach zumir. Also ich kann locker sagen: ja nach der FG hatte ich dieses Gefühl, der und der Person gegenüber weil...

Bei mir wussten es einige weil ich schon fast 3 Wochen nur liegen durfte und es half halt dennoch nicht. Tja...
Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum *kwhwnv*
Fröschli 06/09, Krümelchen 03/2013 und Klopfer Herbst 2016

Dia

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Re: Fehlgeburt und das Umfeld
« Antwort #2 am: 07.03.2012, 21:57 »
Das mag sein, dass Dein Umfeld überfordert ist; Deine Gefühle sind auf alle Fälle OK, denn jeder reagiert anders.
Ich kenne mittlerweile viele Frauen mit Fehlgeburten, die fast alle ähnliche Erlebnisse mit Verwandten, Freunden und Bekannten hatten und die das zusätzlich fertig macht.

Wenn Du im Verwandten- und Freundeskreis niemanden hast, such Dir eine Selbsthilfegruppe oder schau mal bei den Schmetterlingskindern rein. http://www.schmetterlingskinder.de/index.php?p=index&area=1 Das dazugehörige Forum: http://www.vbforum.frauenworte.de/index.php
Guck, was Dir jetzt guttut, Dein Umfeld muss selbst damit klarkommen. Das fand ich damals bei uns (unsere Tochter ist nach neun Monaten Schwangerschaft einen Tag nach der Geburt gestorben) ja so verrückt: die Menschen wissen einfach nicht, wie eine Mutter in so einem Fall tickt, sind hilflos - und wir sollen ihnen diese Hilflosigkeit abnehmen?!

Ob Deine Trauer "angemessen" ist, ist gar keine Frage! Die Frage ist eher: kommst Du alleine/mit Hilfe Deines Umfeldes zurecht oder brauchst Du professionelle Hilfe, um so trauern zu können, dass Du eines Tages sagen kannst, dass es Dir (wieder) gut geht? Und wer sollte das außer Dir entscheiden können?

Liebe Grüße
Dia

Offline Zwillingsfrau

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Re: Fehlgeburt und das Umfeld
« Antwort #3 am: 10.03.2012, 05:00 »
Danke für die Antworten.
Es ist ja nicht mal so, dass irgendjemand traurig sein müsste, schließlich wusste keiner von meiner Schwangerschaft. das erwarte ich auch nicht
Ex ist es schnuppe, irgendwie ist er sogar erleichtert. und das ließ er mich auch spüren...

Aber im Nachhinein wird MIR doch jedes Recht traurig zu sein abgesprochen.
Ich solle froh sein. wer weiß, wofür das gut war.Es war doch so früh und ging so schnell, da braucht mir das doch nicht weh tun...
Wenn ich sowas höre könnte ich noch regelmäßig ausrasten.  :teifi:


Dia, danke für die Links, da werde ich mich mal einlesen. :topp1:

Ja, ich denke ich komme auch allein damit klar.
Ich finde es nur nach wie vor noch so unfassbar. Ich kann das nicht greifen und nicht verstehen. Vor zwei Wochen hatte erst mein vater Todestag und dann zwei Tage später jährte sich der Tod vom Sternchen das erste Mal. Das hat mich gewaltig aus der Bahn katapultiert.  Und dann sieht man, wie trinkende Teenager, hochschwanger, mit der Kippe in der Gusche über eine stark befahrene Straßen laufen und fragt sich nur, was man selbst falsch gemacht hat. Als ich damals mitbekam, dass ich schwanger bin hab ich schlagartig den kaffeekonsum eingestellt, hab meine ganzen Medis gecheckt und viel mehr auf mich selbst geachtet. Und das, obwohl ich von Anfang an irgendwie ahnte, dass was nicht stimmt.

Ja, eigentlich ist es nur, was mich momentan so fertig macht, dass ich nicht darüber reden kann ohne irgendwelche doofen Kommentare. Dass man mich nicht versteht und schon gar nicht ernst nimmt. Ich finde das aber wichtig. Eine Freundin ist schwanger und zugegeben, ich ertrage es nicht, nur noch davon zu hören. Ich weiß wie sehr sie sich freut und ich freue mich mit, helfe, wo ich kann. Aber ich habe eben auch tage, wo ich davon nix hören will. Das ist so und ich möchte, dass das akzeptiert wird.
Ich hatte nie Zeit wirklich damit klarzukommen, die Schwangerschaft kam so überraschend...erst war ich lange krank und stand unter Dauerstrom und dann kam meine Abschlussarbeit, danach die Trennung und der Umzug...jetzt sackt das so langsam nach...

dia, ja ein stückweit Hilflosigkeit abnehmen, das trifft es.
Ich verstehe das, ich wusste bis dato auch nicht, wie das ist und schon gar nicht, was das mit einem macht. Aber ich kann auch ehrlich gesagt nicht kommunizieren, was ich brauche. Klar, einen Zuhörer, eine liebe Umarmung und Verständnis, aber irgendwie auch Austausch.

wie gesagt, ich komme damit klar, aber ich reagiere noch sehr sensibel manchmal und ich hab Tage, da hasse ich mich dafür (und die Welt) und dann frage ich mich immer wieder, warum, warum ich, warum so ect.
aber ich denke, auch das wird irgendwann weniger werden und zurück bleibt dann nur eine Erinnerung, wenn auch eine traurige...

Sancho, das tut mir leid. Gerade diese ständige Erinnerung stelle ich mir schwer vor....
Aber ich sehe das auch so, das gehört zu mir (und ich will nicht, dass das zum Tabu-Thema wird)



So und jetzt geh ich ins bett, die Vögel zwitschern schon  :wave:

Offline sancho

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Re: Fehlgeburt und das Umfeld
« Antwort #4 am: 10.03.2012, 08:05 »
Schau jeder hat seine Geschichte und in jeder Geschichte gibt es Faktoren die tun weh und das auf lange. In jeder Geschichte gibt es Dinge die mag man nicht hören oder man kann sie nicht hören....

Du weisst im Endeffekt nicht wieso dein Umfeld nicht so reagieren kann/will wie sie es tun. Meiner Erfahrung nach gibts da alle Spannweiten: die die selber darunter leiden und es dann überdecken mit solchen Sprüchen, die die mit sowas einfach auch ohne eigene Erfahrungen nichts zutun haben wollen, die die es echt nicht verstehen können und die die es dann können....

Mir half damals das Buch: leise wie ein Schmetterling, wurde mir sogar von jemandem von hier empfohlen. und am Schluss sogar, dass ich es schaffte es für mich so anzunehmen wie es ist und sein wird.

Ich - aber das bin wirklich ICH! - glaube inzwischen das es einen Sinne hatte waren die zwei einfach kurz da, sie lernten uns viel zu zeigen einiges auf (positives und negatives) und wir bekamen die Chance aktiv zu sagen JA, wir können das und wollen ein Kind. Ich glaube daran, dass jeder Mensch, jedes Lebewesen eine 'Aufgabe' hat ist die erfüllt ist das Lebenerfüllt. Bei meinen Sternchen war die Aufgabe halt viel schneller erfüllt und das ist oke so.

Du musst also deinen eigenen Weg finden mit um zugehen und halt auch ehrlich sagen wen die Schwangerschaften mal zuviel sind, das ist oke.
Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum *kwhwnv*
Fröschli 06/09, Krümelchen 03/2013 und Klopfer Herbst 2016

Offline Zwillingsfrau

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Re: Fehlgeburt und das Umfeld
« Antwort #5 am: 13.03.2012, 01:38 »
wenn ich darüber nachdenke, dann hat die ganze Geschichte mir unter anderem gezeigt, dass Ex und ich uns in verschiedene Richtungen entwickelt haben (das hab ich nicht sofort gesehen, aber im Nachhinein hat das bei meiner Entscheidung zur Trennung auch eine Rolle gespielt) und er nicht ganz hinter dem stand, was "wir wollten". Als wäre ich schon 3 oder 4 Schritte weiter.

Ja, irgendeinen Sinn hatte das vielleicht und vielleicht war es auch das Beste für das Kind, meinen Ex und mich.. Ich weiß nicht, ob ich als Alleinerziehende meinen Weg so weitergegangen wäre..

Danke für den Buchtipp,ich denke das werde ich mir mal besorgen.

Danke für deine Worte : )